Gestern Abend suchte ich die örtliche Rewe-Filiale auf, um mir ein improvisiertes Abendessen und im Auftrag meiner Cousine ein Minifladenbrot (ja, so etwas gibt es) zu kaufen. Ich hatte es eilig, da ich verabredet war, und scannte meine Einkäufe selbst an der Selbst-Scanner-Kasse, die vermutlich eigentlich eine völlig andere Bezeichnung hat. Deren Benutzung verspricht in erster Linie eine gewisse Zeitersparnis.
"Ein Mitarbeiter muss Ihre Einkäufe kontrollieren", stand plötzlich und unvermittelt auf dem Monitor, nachdem ich unter "Snacks" auf die Taste "Minifladenbrot" gedrückt hatte. Begleitet wurde dieser Hinweise von einem deutlich vernehmbaren Signalton, weshalb hinter mir - also an der gut besuchten "klassischen" Kasse für Rentner und andere Kunden mit viel Zeit - eine Rewe-Mitarbeiterin rief, sie kümmere sich gleich um mich.
Sie kassierte also noch einen Kunden ab und ließ die anderen in der Reihe stehen, um mich zu fragen, was das Problem sei. "Ich versuche, ein Minifladenbrot zu kaufen", antwortete ich, "und habe daher auf 'Minifladenbrot' gedrückt. Dann kam die nun zu sehende Fehlermeldung." Um zu veranschaulichen, dass sich tatsächlich ein Minifladenbrot in der Papiertüte befand, hielt ich ihr diese geöffnet entgegen.
Sie meldete mich als Kunden an der Selbst-Scanner-Kasse vorübergehend ab und sich als Mitarbeiterin an. Dann fragte sie mich, ob das Minifladenbrot unter "Snacks" zu finden sei, was ich bestätigte. Auf dem Schirm standen nun mehrere Tastfelder von "Apfeltasche" bis "Laugenstange". Einige Minuten vergingen, in denen die Mitarbeiterin den Begriff "Minifladenbrot" suchte. Aufmerksame Leserinnen und Leser ahnen, dass und weshalb sie damit keinen Erfolg hatte.
Nach einer Weile erklärte ich ihr, wie das mir bis dato unbekannte System ihres Arbeitgebers funktioniert: "M kommt nach L. Das Minifladenbrot befindet sich also auf der nächsten Seite, Sie müssen unten auf den Pfeil drücken." Beim Benutzen des Tastbildschirms hatte sie ein wenig Mühe, da sie sich - vermutlich wegen des nahenden Halloween-Festes - etwa acht Zentimeter lange künstliche Fingernägel angeklebt hatte. Ein Kollege näherte sich in lockerem Trab, um zu helfen.
Gemeinsam gelang es Frau Krueger und Herrn Jockey, das Minifladenbrot einzuloggen. "So", sagte er, "jetzt können Sie bezahlen." "Nein", ließ ich ihn wissen, "Sie müssen sich erst abmelden, damit ich als Kunde wahrgenommen werde." Vorgeschlagen, getan. Und auch die mittlerweile recht ansehnliche und zunehmend unruhige Schlange an der Kasse für analoge Zeitschinder wurde abgefertigt.
Voll praktisch, die moderne Technik. Künftig suche ich passendes Kleingeld zusammen. Ich komme ja langsam in das Alter.