Donnerstag, 16. Oktober 2025

Ganz einfach

In meinen Facebook-Erinnerungen finde ich meine Erlebnisse mit dem antisemitischen und ausländerfeindlichen Arschloch, das in der Metzgerei des örtlichen Lebensmittelmarktes gearbeitet hat und nach meiner Beschwerde bei dessen Zentrale entlassen wurde. Ich mag, wie deutlich die lokale Geschäftsführerin inzwischen mit ihrer Personalpolitik gegen Hass und Hetze hält. Der Nachfolger des Rassisten ist zum Beispiel ein queerer Typ mit türkischer Migrationsgeschichte.

Die Bäckerei hat seit einigen Monaten ein neues Teammitglied, bei dem ich nicht sicher bin, ob die letzten beiden Silben dieses Begriffs zutreffen oder nicht oder mal zugetroffen haben. Ist mir auch egal, spielt für meinen wöchentlichen Vollkornbrotkauf nämlich keine Rolle.

Gestern nahm sich eine Oma neben mir ein Herz und stellte die Frage, die sich manch andere Kunden heimlich ebenfalls gestellt haben dürften: "Sagen Sie", fing sie an, "Sie sind immer so nett und freundlich. Darf ich fragen, ob Sie eigentlich eine junge Dame oder ein junger Herr sind?"

"Och, wissen Sie", antwortete ihr Gegenüber, wie immer nett und freundlich, "das ist mir eigentlich egal." Die Reaktion der alten Frau freute mich: "Da haben Sie auch wieder Recht. Haben Sie noch einen schönen Tag - bis morgen."

Wir sind alle Menschen. Ist eigentlich ganz einfach. Und wenn Großmütterchen das versteht, schaffen alle anderen das auch.