Sonntag, 26. Oktober 2025

Im Badezimmer

Es hilft nichts: Ich muss mein Leben in Drehbuchform für die elfte Staffel von "Pastewka" einreichen. Vor dem unteren Badezimmer befindet sich ein selbstgebauter Schuhschrank, dessen Tür leider regelmäßig herausfällt. Gestern hat sich dabei eines der Scharniere verabschiedet. Da ich mich nach einem grippalen Infekt noch nicht völlig fit fühle, habe ich die Schranktür angelehnt, um das alles später zu reparieren.

Eben habe ich beim Händewaschen ein leises Scheppern vor dem Bad gehört. Danach ließ sich die Badezimmertür nur etwa zehn Zentimeter weit öffnen - offensichtlich war die Schranktür umgekippt und hatte sich verkantet. Mit dem Arm kam ich nicht dran, mit der Klobürste ebenfalls nicht. Ich war im Bad eingesperrt.

Da langsam die Klaustrophobie kickte, habe ich mehrfach kräftig gegen die Tür gedrückt, um dadurch das Ganze irgendwie in Bewegung zu bringen und vielleicht den Spalt zu vergrößern. Beim dritten Drücken zerbarst die Scheibe der Badezimmertür in tausend Scherben, die mir buchstäblich um die Ohren flogen.

Immerhin konnte ich nun durchsteigen und war frei. Jetzt muss ich nur die Splitter aufsammeln beziehungsweise wegsaugen und demnächst mal einen Glaser anrufen. Ein langweiliger, aber erholsamer Sonntag wäre mir lieber gewesen.

Nun kennt ihr also jemanden, der sich selbst unfreiwillig im Bad eingesperrt hat.

Donnerstag, 16. Oktober 2025

Ganz einfach

In meinen Facebook-Erinnerungen finde ich meine Erlebnisse mit dem antisemitischen und ausländerfeindlichen Arschloch, das in der Metzgerei des örtlichen Lebensmittelmarktes gearbeitet hat und nach meiner Beschwerde bei dessen Zentrale entlassen wurde. Ich mag, wie deutlich die lokale Geschäftsführerin inzwischen mit ihrer Personalpolitik gegen Hass und Hetze hält. Der Nachfolger des Rassisten ist zum Beispiel ein queerer Typ mit türkischer Migrationsgeschichte.

Die Bäckerei hat seit einigen Monaten ein neues Teammitglied, bei dem ich nicht sicher bin, ob die letzten beiden Silben dieses Begriffs zutreffen oder nicht oder mal zugetroffen haben. Ist mir auch egal, spielt für meinen wöchentlichen Vollkornbrotkauf nämlich keine Rolle.

Gestern nahm sich eine Oma neben mir ein Herz und stellte die Frage, die sich manch andere Kunden heimlich ebenfalls gestellt haben dürften: "Sagen Sie", fing sie an, "Sie sind immer so nett und freundlich. Darf ich fragen, ob Sie eigentlich eine junge Dame oder ein junger Herr sind?"

"Och, wissen Sie", antwortete ihr Gegenüber, wie immer nett und freundlich, "das ist mir eigentlich egal." Die Reaktion der alten Frau freute mich: "Da haben Sie auch wieder Recht. Haben Sie noch einen schönen Tag - bis morgen."

Wir sind alle Menschen. Ist eigentlich ganz einfach. Und wenn Großmütterchen das versteht, schaffen alle anderen das auch.

Donnerstag, 9. Oktober 2025

An der SB-Kasse

Gestern Abend suchte ich die örtliche Rewe-Filiale auf, um mir ein improvisiertes Abendessen und im Auftrag meiner Cousine ein Minifladenbrot (ja, so etwas gibt es) zu kaufen. Ich hatte es eilig, da ich verabredet war, und scannte meine Einkäufe selbst an der Selbst-Scanner-Kasse, die vermutlich eigentlich eine völlig andere Bezeichnung hat. Deren Benutzung verspricht in erster Linie eine gewisse Zeitersparnis.

"Ein Mitarbeiter muss Ihre Einkäufe kontrollieren", stand plötzlich und unvermittelt auf dem Monitor, nachdem ich unter "Snacks" auf die Taste "Minifladenbrot" gedrückt hatte. Begleitet wurde dieser Hinweise von einem deutlich vernehmbaren Signalton, weshalb hinter mir - also an der gut besuchten "klassischen" Kasse für Rentner und andere Kunden mit viel Zeit - eine Rewe-Mitarbeiterin rief, sie kümmere sich gleich um mich.

Sie kassierte also noch einen Kunden ab und ließ die anderen in der Reihe stehen, um mich zu fragen, was das Problem sei. "Ich versuche, ein Minifladenbrot zu kaufen", antwortete ich, "und habe daher auf 'Minifladenbrot' gedrückt. Dann kam die nun zu sehende Fehlermeldung." Um zu veranschaulichen, dass sich tatsächlich ein Minifladenbrot in der Papiertüte befand, hielt ich ihr diese geöffnet entgegen.

Sie meldete mich als Kunden an der Selbst-Scanner-Kasse vorübergehend ab und sich als Mitarbeiterin an. Dann fragte sie mich, ob das Minifladenbrot unter "Snacks" zu finden sei, was ich bestätigte. Auf dem Schirm standen nun mehrere Tastfelder von "Apfeltasche" bis "Laugenstange". Einige Minuten vergingen, in denen die Mitarbeiterin den Begriff "Minifladenbrot" suchte. Aufmerksame Leserinnen und Leser ahnen, dass und weshalb sie damit keinen Erfolg hatte.

Nach einer Weile erklärte ich ihr, wie das mir bis dato unbekannte System ihres Arbeitgebers funktioniert: "M kommt nach L. Das Minifladenbrot befindet sich also auf der nächsten Seite, Sie müssen unten auf den Pfeil drücken." Beim Benutzen des Tastbildschirms hatte sie ein wenig Mühe, da sie sich - vermutlich wegen des nahenden Halloween-Festes - etwa acht Zentimeter lange künstliche Fingernägel angeklebt hatte. Ein Kollege näherte sich in lockerem Trab, um zu helfen.

Gemeinsam gelang es Frau Krueger und Herrn Jockey, das Minifladenbrot einzuloggen. "So", sagte er, "jetzt können Sie bezahlen." "Nein", ließ ich ihn wissen, "Sie müssen sich erst abmelden, damit ich als Kunde wahrgenommen werde." Vorgeschlagen, getan. Und auch die mittlerweile recht ansehnliche und zunehmend unruhige Schlange an der Kasse für analoge Zeitschinder wurde abgefertigt.

Voll praktisch, die moderne Technik. Künftig suche ich passendes Kleingeld zusammen. Ich komme ja langsam in das Alter.