Es ist und bleibt ein einmaliges Phänomen in der Welt des Kinos: Das "Marvel Cinematic Universe" (MCU) startete als durchaus gewagtes Experiment und ist längst eine Geld-Druckmaschine. Daran dürfte auch der elfte Film, der in diesem ersten geschlossenen und immer komplexer werdenden Universum spielt, nichts ändern - vermutlich eher im Gegenteil. Denn die Fortsetzung von "Marvel's The Avengers" aus dem Jahr 2012 legt im Direktvergleich zum Vorgänger - dem dritterfolgreichsten Film aller Zeiten - in jeder Beziehung noch mal eine Schippe drauf. Es geht immer noch ein bisschen lauter, noch etwas bunter und erstaunlicherweise sogar noch besser.
Nachdem die zusammengewürfelte Heldentruppe eine Invasion durch Außerirdische verhindert und einige aufreibende Abenteuer als Solisten bewältigt hat, sind die Avengers eine etablierte Streitmacht gegen das Verbrechen in der Welt. Gemeinsam sind sie stark: Schon die beeindruckende Anfangssequenz zeigt, wie das Team zusammengewachsen ist, als Captain America (Chris Evans), Iron Man (Robert Downey jr.) und ihre Kollegen mit den Überresten der Terrororganisation H.Y.D.R.A. aufräumen. Dann jedoch hat Eisenmann, Milliardär und Genie Tony Stark eine verhängnisvolle Idee: Wie wäre es, wenn der Schutz der Menschen in die Hände eines Automatismus gelegt würde? Dr. Bruce Banner (Mark Ruffalo) hat Zweifel an Moral und Nutzen dieses Projekts. Und als es aus dem Ruder läuft, bekommt der gute Doktor mehr als einmal Gelegenheit, sich grün zu ärgern...
Fans der Comic-Vorlage und ihrer Verfilmungen bekommen, was sie erwarten: Ihre Superhelden kämpfen vereint gegen eine Übermacht, wobei jeder seinen grandiosen Auftritt hat. Das Finale ist eine epische Schlacht, in der die zwischenzeitlich zerstrittenen und von persönlichen Problemen gebeutelten Rächer beweisen müssen, wozu sie in der Lage sind, wenn sie zusammenhalten. Klingt bekannt? Nun ja, wenn man ehrlich ist, ist die Geschichte nicht gerade Lichtjahre von der des hochgelobten ersten Avengers-Abenteuers entfernt. Und doch funktioniert der Film, findet Regisseur Joss Whedon einmal mehr die richtige Balance zwischen krachiger Action, einer Portion Pathos und dem nötigen Humor. Dazu gibt es ungezählte Anspielungen auf die Vorgeschichte.
Zudem bringen neue Charaktere frischen Wind ins Geschehen, und der große Mythos im Hintergrund wird selbstverständlich auch noch etwas weitergedreht. Der Gegner der zänkischen Truppe ist diesmal die künstliche Intelligenz Ultron (im Original gesprochen von James Spader), ein so aggressiver wie unberechenbarer Despot mit vermeintlich ehrenwerten Zielen, der in Gestalt eines Roboters auftritt. Fast wie im Leben: Wer das Internet beherrscht, hat praktisch schon gewonnen - und Ultron ist buchstäblich überall. Da müssen die guten Jungs und Mädels auf der Gegenseite alles in die Waagschale werfen, was sie haben. Der Konflikt gipfelt ein einem Effektefeuerwerk, dass seinesgleichen sucht und selbst altgedienten Anhängern von Hollywood-Action den Kiefer nach unten klappen lässt.
Der Vollständigkeit halber (und um nicht nur die Nerds anzusprechen) sei erwähnt, dass die Schauspieler alle wissen, was sie tun. Längst ist das MCU bevölkert von preisgekrönten Mimen aller Klassen, denen klar ist, dass großes Kino manchmal genau das sein muss: verdammt groß.
Besser geht Unterhaltung eigentlich nicht. Dafür gibt’s völlig verdiente zehn von zehn abgerissenen Robot-Köpfen.
Mehr zum MCU gibt es hier und hier.
Sonntag, 26. April 2015
Montag, 20. April 2015
Herzensangelegenheiten
Neulich habe ich erfahren, dass es den Oberstadtflohmarkt noch gibt. Aber er sei mittlerweile sehr überschaubar und lohne kaum einen Besuch, sagte man mir. Schade. Früher war ja nicht nur manches besser, sondern auch einiges anders. Zum Beispiel war der Flohmarkt zwischen Heumarkt und dem unteren Ende des Steinwegs das "social event of the season", wie es in Kevin Smiths natürlich sehr empfehlenswertem Film "Clerks" über etwas ganz anderes heißt.
Seinerzeit ging es nicht nur um kaufen und verkaufen, sondern auch um sehen und gesehen werden. Zwischen Schatzkisten voller alter Bücher und Tapeziertischen mit lange gesuchtem Vinyl spielte einer Geige, ein anderer jonglierte, und man konnte sicher sein, jemanden zu treffen, mit dem man mindestens diesen ersten Samstag im Monat planen konnte. Einmal stand auch Thommes dort, spielte nicht Geige und jonglierte auch nicht, hatte aber einen großen Karton mit Band-Shirts dabei, dessen Inhalt er zu verkaufen suchte.
Thommes legte seinerzeit schon auf und wurde als nebenberuflicher DJ von Plattenfirmen gerne mal ein wenig verhätschelt. Diese hatte damals nämlich noch Geld, das sie mit dem Verkauf physischer Tonträger verdienten, und sie investierten es unter anderem in Werbeartikel wie Promo-CDs oder besagte T-Shirts ihrer Künstler. Thommes musste nicht lange auf Kundschaft warten. Eine kleine Frau mittleren Alters bot an, ihm den kompletten Karton abzukaufen, sofern er ihr einen guten Preis mache. Sie erklärte ihm sogar, was sie mit den Shirts vorhatte.
"Mein Mann arbeitet auf dem Bau", berichtete sie. "Und da schwitzt er immer so. Ich hab aber keinen Bock, ständig seine T-Shirts zu waschen. Und deswegen kaufe ich ihm jetzt einen ganzen Karton voll, die schmeißen wir dann einfach in den Müll, wenn sie durchgeschwitzt sind." Thommes ist grundsätzlich ein recht entspannter Mensch, aber das war ihm offenbar zuviel an verstörender Information. Fast verzweifelt nestelte er ein Tour-Shirt aus dem Berg, das anlässlich einer Spoken-Word-Reise von Henry Rollins hergestellt worden war. "Aber... das dann nicht, oder?", fragte er irritiert. "Doch – alle", antwortete die resolute Bauarbeiter-Gattin, lächelte und warf das Shirt zurück auf den Haufen.
Sie wurden sich handelseinig, und die Dame trug ihre Beute triumphierend vorbei an dem Jongleur und dem Geiger, den Bücherkisten und Plattentischen. Und so kam es, dass ein halbes Jahr lang ein Arbeiter auf irgendeiner Baustelle in Marburg jeden Tag ein anderes Band-Shirt trug: Fear Factory und Jamiroquai und Bad Religion und Henry Rollins. Es war eben nicht nur einiges anders, sondern auch manches besser. Auch der Oberstadtflohmarkt.
(Mehr zu Mr. Rollins findet sích übrigens hier.)
Seinerzeit ging es nicht nur um kaufen und verkaufen, sondern auch um sehen und gesehen werden. Zwischen Schatzkisten voller alter Bücher und Tapeziertischen mit lange gesuchtem Vinyl spielte einer Geige, ein anderer jonglierte, und man konnte sicher sein, jemanden zu treffen, mit dem man mindestens diesen ersten Samstag im Monat planen konnte. Einmal stand auch Thommes dort, spielte nicht Geige und jonglierte auch nicht, hatte aber einen großen Karton mit Band-Shirts dabei, dessen Inhalt er zu verkaufen suchte.
Thommes legte seinerzeit schon auf und wurde als nebenberuflicher DJ von Plattenfirmen gerne mal ein wenig verhätschelt. Diese hatte damals nämlich noch Geld, das sie mit dem Verkauf physischer Tonträger verdienten, und sie investierten es unter anderem in Werbeartikel wie Promo-CDs oder besagte T-Shirts ihrer Künstler. Thommes musste nicht lange auf Kundschaft warten. Eine kleine Frau mittleren Alters bot an, ihm den kompletten Karton abzukaufen, sofern er ihr einen guten Preis mache. Sie erklärte ihm sogar, was sie mit den Shirts vorhatte.
"Mein Mann arbeitet auf dem Bau", berichtete sie. "Und da schwitzt er immer so. Ich hab aber keinen Bock, ständig seine T-Shirts zu waschen. Und deswegen kaufe ich ihm jetzt einen ganzen Karton voll, die schmeißen wir dann einfach in den Müll, wenn sie durchgeschwitzt sind." Thommes ist grundsätzlich ein recht entspannter Mensch, aber das war ihm offenbar zuviel an verstörender Information. Fast verzweifelt nestelte er ein Tour-Shirt aus dem Berg, das anlässlich einer Spoken-Word-Reise von Henry Rollins hergestellt worden war. "Aber... das dann nicht, oder?", fragte er irritiert. "Doch – alle", antwortete die resolute Bauarbeiter-Gattin, lächelte und warf das Shirt zurück auf den Haufen.
Sie wurden sich handelseinig, und die Dame trug ihre Beute triumphierend vorbei an dem Jongleur und dem Geiger, den Bücherkisten und Plattentischen. Und so kam es, dass ein halbes Jahr lang ein Arbeiter auf irgendeiner Baustelle in Marburg jeden Tag ein anderes Band-Shirt trug: Fear Factory und Jamiroquai und Bad Religion und Henry Rollins. Es war eben nicht nur einiges anders, sondern auch manches besser. Auch der Oberstadtflohmarkt.
(Mehr zu Mr. Rollins findet sích übrigens hier.)
Sonntag, 15. März 2015
Kino-Kritik: "Kingsman: The Secret Service"
Neun Minuten und sechs Sekunden dauert die Albumversion des Songs "Freebird", den die Südstaatenrocker Lynyrd Skynyrd vor 41 Jahren aufgenommen haben. Wer nicht versteht, was das mit "Kingsman: The Secret Service", dem neuen Film von Regisseur Matthew Vaughn ("X-Men: Erste Entscheidung"), zu tun hat, oder sich fragt, wo der Zusammenhang zwischen rockenden Rednecks und britischen Gentleman-Spionen ist… der hat was verpasst.
Denn eine Szene - die nicht zuletzt durch ihre explizite, aber comic-haft überzogene Gewaltdarstellung durchaus ein bisschen Filmgeschichte schreiben dürfte - wird mit dem zweiten Teil dieses Liedes unterlegt. Quasi ein schier endloses Gitarrensolo als Soundtrack zu einem verstörenden, aber auch verstörend unterhaltsamen Gemetzel, das auf den Punkt bringt, worum es Vaughn und Drehbuchautor Mark Millar ("Kick-Ass") im Kern geht.
Doch der Reihe nach: "Kingsman" erzählt die Geschichte einer fiktiven Spionage-Einrichtung gleichen Namens, die ähnlich aufgebaut ist wie die legendäre Tafelrunde. Es gibt einen Boss mit dem königlichen Codenamen "Arthur" (eher nachlässig verkörpert von Michael Caine), einen technischen Experten namens "Merlin" (Mark Strong, der mal nicht den Bösewicht geben muss) und Agenten mit ritterlichen Spitznamen wie "Galahad". Letzterer wird gespielt von Colin Firth, der erwartungsgemäß die Idealbesetzung für die Rolle des leicht versnobten Superagenten ist.
Wann immer einer der ihren im Kampf für das Gute sein Leben lassen musste, erwählen diese modernen Ritter einen Novizen zum Mitglied ihrer verschworenen Gemeinschaft. Doch der Weg zum Vollzeitspion ist steinig, das muss auch der junge "Eggsy" Unwin (Taron Egerton) erfahren, ein Junge aus den Londoner Slums, der in "Galahad" nicht ohne Grund einen Mentor gefunden hat. Zusätzliche Komplikationen entstehen durch das Auftauchen des so sinistren wie wahnsinnigen Milliardärs Valentine (Samuel L. Jackson) und seiner beinamputierten, aber tödlichen Assistentin Gazelle (Sofia Boutella).
Das klingt alles ziemlich durchgeknallt? Ist es auch. Noch dazu schrillbunt, bitterböse, satirisch und zu keiner Sekunde langweilig. Wir sind schnell mittendrin in dieser irren Story zwischen Retro-Fimmel, Bond-Parodie und modernem Actionfilm. Es wird oft laut, Zeit zum Luftholen oder gar subtile Zwischentöne bleibt selten. Und doch merkt das geübte Auge sehr schnell, dass "Kingsman" voller liebevoller Details ist. Es hagelt nicht nur Kugeln, sondern auch Referenzen auf alles, was das Genre hergibt. (An einer Stelle zitieren sich Millar und Vaughn sogar selbst: Im luxuriösen Unterschlupf des Erzschurken hängt das gleiche Bild wie im Büro des Mafiabosses in "Kick-Ass", seinerzeit gespielt von Mark Strong.) Auch die eingesetzte Musik sitzt wie ein maßgeschneiderter Anzug - die erwähnte "Freebird"-Szene ist nur ein Beispiel von vielen.
Waren es in "Kick-Ass" die Superhelden, sind es diesmal die Topagenten, die damit klar kommen müssen, dass auch im Film-Universum nicht immer alles nach Plan verläuft. Denn beide Filme entsprechen zwar durchaus ihrem jeweiligen Klischee, die Gefahr für die Helden wirkt jedoch ungleich realistischer. Da wird öfter mal sehr blutig gestorben, und das ist dann überdreht inszeniert, aber auch sehr endgültig. Dort wie hier bekommen die Protagonisten viele Schläge ab, aber anders als Batman oder Bond spucken sie hinterher eben ihre Zähne aus.
Diese klassische Mark-Millar-Handschrift scheint auch durch, wenn trotz aller Lust an der Zerstörung bisweilen recht deutliche Kritik an unserem Umgang mit Gewalt geübt wird. Nochmal die "Freebird"-Szene: Man freut sich, jubelt gar, aber hinterher folgt die Ernüchterung. Darf man sowas gut finden? Der Zuschauer fühlt sich ertappt und gönnt sich ein Grübeln. Aber nur kurz, denn die wilde Jagd lässt wie erwähnt kaum eine Chance zur Besinnung.
Also: Es gibt reichlich Action, viel Klamauk, jede Menge Meta-Späßchen für Nerds und gute Musik. Ein Außenseiter hat die Messlatte für Popcorn-Kino höher gelegt. Und das in einem Jahr, das mit vergleichbaren Blockbustern nicht geizen wird. Well done, Gentlemen. Und die Krawatte sitzt.
Denn eine Szene - die nicht zuletzt durch ihre explizite, aber comic-haft überzogene Gewaltdarstellung durchaus ein bisschen Filmgeschichte schreiben dürfte - wird mit dem zweiten Teil dieses Liedes unterlegt. Quasi ein schier endloses Gitarrensolo als Soundtrack zu einem verstörenden, aber auch verstörend unterhaltsamen Gemetzel, das auf den Punkt bringt, worum es Vaughn und Drehbuchautor Mark Millar ("Kick-Ass") im Kern geht.
Doch der Reihe nach: "Kingsman" erzählt die Geschichte einer fiktiven Spionage-Einrichtung gleichen Namens, die ähnlich aufgebaut ist wie die legendäre Tafelrunde. Es gibt einen Boss mit dem königlichen Codenamen "Arthur" (eher nachlässig verkörpert von Michael Caine), einen technischen Experten namens "Merlin" (Mark Strong, der mal nicht den Bösewicht geben muss) und Agenten mit ritterlichen Spitznamen wie "Galahad". Letzterer wird gespielt von Colin Firth, der erwartungsgemäß die Idealbesetzung für die Rolle des leicht versnobten Superagenten ist.
Wann immer einer der ihren im Kampf für das Gute sein Leben lassen musste, erwählen diese modernen Ritter einen Novizen zum Mitglied ihrer verschworenen Gemeinschaft. Doch der Weg zum Vollzeitspion ist steinig, das muss auch der junge "Eggsy" Unwin (Taron Egerton) erfahren, ein Junge aus den Londoner Slums, der in "Galahad" nicht ohne Grund einen Mentor gefunden hat. Zusätzliche Komplikationen entstehen durch das Auftauchen des so sinistren wie wahnsinnigen Milliardärs Valentine (Samuel L. Jackson) und seiner beinamputierten, aber tödlichen Assistentin Gazelle (Sofia Boutella).
Das klingt alles ziemlich durchgeknallt? Ist es auch. Noch dazu schrillbunt, bitterböse, satirisch und zu keiner Sekunde langweilig. Wir sind schnell mittendrin in dieser irren Story zwischen Retro-Fimmel, Bond-Parodie und modernem Actionfilm. Es wird oft laut, Zeit zum Luftholen oder gar subtile Zwischentöne bleibt selten. Und doch merkt das geübte Auge sehr schnell, dass "Kingsman" voller liebevoller Details ist. Es hagelt nicht nur Kugeln, sondern auch Referenzen auf alles, was das Genre hergibt. (An einer Stelle zitieren sich Millar und Vaughn sogar selbst: Im luxuriösen Unterschlupf des Erzschurken hängt das gleiche Bild wie im Büro des Mafiabosses in "Kick-Ass", seinerzeit gespielt von Mark Strong.) Auch die eingesetzte Musik sitzt wie ein maßgeschneiderter Anzug - die erwähnte "Freebird"-Szene ist nur ein Beispiel von vielen.
Waren es in "Kick-Ass" die Superhelden, sind es diesmal die Topagenten, die damit klar kommen müssen, dass auch im Film-Universum nicht immer alles nach Plan verläuft. Denn beide Filme entsprechen zwar durchaus ihrem jeweiligen Klischee, die Gefahr für die Helden wirkt jedoch ungleich realistischer. Da wird öfter mal sehr blutig gestorben, und das ist dann überdreht inszeniert, aber auch sehr endgültig. Dort wie hier bekommen die Protagonisten viele Schläge ab, aber anders als Batman oder Bond spucken sie hinterher eben ihre Zähne aus.
Diese klassische Mark-Millar-Handschrift scheint auch durch, wenn trotz aller Lust an der Zerstörung bisweilen recht deutliche Kritik an unserem Umgang mit Gewalt geübt wird. Nochmal die "Freebird"-Szene: Man freut sich, jubelt gar, aber hinterher folgt die Ernüchterung. Darf man sowas gut finden? Der Zuschauer fühlt sich ertappt und gönnt sich ein Grübeln. Aber nur kurz, denn die wilde Jagd lässt wie erwähnt kaum eine Chance zur Besinnung.
Also: Es gibt reichlich Action, viel Klamauk, jede Menge Meta-Späßchen für Nerds und gute Musik. Ein Außenseiter hat die Messlatte für Popcorn-Kino höher gelegt. Und das in einem Jahr, das mit vergleichbaren Blockbustern nicht geizen wird. Well done, Gentlemen. Und die Krawatte sitzt.
Donnerstag, 12. März 2015
Herzensangelegenheiten
Eigentlich ist das Frühjahr denkbar ungeeignet, um Abschied zu nehmen. Aber erstens hat das Universum einen allgemein bekannt kranken Humor. Und zweitens ist eine Jahreszeit für Abschiede so gut geeignet wie die andere - nämlich gar nicht.
Es gibt unterschiedliche Gründe, die uns zum Abschiednehmen zwingen, und die allermeisten von ihnen sind naturgemäß unerfreulich. Das gilt insbesondere dann, wenn Abschiede endgültig sind. Unter diesen Gründen nimmt einer eine Sonderstellung ein, übertrifft an kalter Härte selbst seine kleinen Brüder, den Streit und die Veränderung. Die Rede ist selbstverständlich vom Tod. Mir ist niemand persönlich bekannt, der ein allzu großer Anhänger oder gar Befürworter des Todes ist. Im Gegenteil: In unseren Breitengraden pflegen wir ihn im Allgemeinen mit Missachtung zu strafen - eine vergleichsweise harmlose Waffe, denn uns allen ist klar, dass der Tod ein unbesiegbarer Gegner ist. Noch dazu ein sehr gelassener, er kann nämlich warten. Er hat quasi reichlich Zeit, was kein Wunder ist, denn er nimmt sie von uns allen. Die Zeit, noch schnell zu erledigen, was wir viel zu lange vor uns hergeschoben haben. Die Zeit, endlich das Richtige zu tun, worauf wir ein Leben lang gewartet haben. Die Zeit, die wir mit schönen Dingen und netten Leuten verbringen sollten und doch auf ganz andere Art vergeuden.
In den Romanen von Terry Pratchett (der in diesen Tagen gestorben ist) wird der Tod als klassischer Sensenmann karikiert, allerdings oft genug gebeutelt von fachfremden Emotionen und den Problemen seines sicher stressigen Alltags. Und Schauspieler Leonard Nimoy (der kurz zuvor das Zeitliche segnete) sagte in seiner bekanntesten Rolle gern und häufig: "Lebe lang und in Frieden." Ein wohlmeinender Wunsch, vielleicht gar ein frommer, aber wie die meisten Wünsche dem Mann mit der Kapuze vermutlich nicht einmal ein schiefes Grinsen wert. Denn über die Dauer unseres Daseins entscheidet nur er. Oder (um es endlich mal etwas realistischer auszudrücken): Wir haben kaum Einfluss darauf.
Manchem gelingt es zwar, sein Leben künstlich zu verlängern. Andere entscheiden sich traurigerweise, es zu verkürzen. Aber am Ende bleibt immer ein Abschied, für jene, die zurückbleiben, meist schmerzlicher als für den, der geht.
Wer inzwischen völlig zurecht fragt, was das alles mit Musik zu tun hat, der sei auf ein paar Zeilen zweier Liedtexte aufmerksam gemacht. "No one wins, but somehow they still play", heißt es in "Future Days" von Pearl Jam. "All the missing crooked hearts, they may die, but in us they live on." Deutlich pessimistischer sehen das Fury In The Slaughterhouse: "Today you're their best friend, but believe me tomorrow they don't even know your name." Ganz so ohne sind Todes kleine Brüder nämlich doch nicht.
Wer nun verständlicherweise nicht nur nach dem Zusammenhang zum Thema Musik, sondern gar nach einer Moral fragt, dem sei ins Poesiealbum gekritzelt: Die Zeit läuft - macht was draus. Am besten übrigens wirklich mit schönen Dingen und netten Leuten. Es ist Frühjahr, Freunde. Aber nicht mehr lange.
Es gibt unterschiedliche Gründe, die uns zum Abschiednehmen zwingen, und die allermeisten von ihnen sind naturgemäß unerfreulich. Das gilt insbesondere dann, wenn Abschiede endgültig sind. Unter diesen Gründen nimmt einer eine Sonderstellung ein, übertrifft an kalter Härte selbst seine kleinen Brüder, den Streit und die Veränderung. Die Rede ist selbstverständlich vom Tod. Mir ist niemand persönlich bekannt, der ein allzu großer Anhänger oder gar Befürworter des Todes ist. Im Gegenteil: In unseren Breitengraden pflegen wir ihn im Allgemeinen mit Missachtung zu strafen - eine vergleichsweise harmlose Waffe, denn uns allen ist klar, dass der Tod ein unbesiegbarer Gegner ist. Noch dazu ein sehr gelassener, er kann nämlich warten. Er hat quasi reichlich Zeit, was kein Wunder ist, denn er nimmt sie von uns allen. Die Zeit, noch schnell zu erledigen, was wir viel zu lange vor uns hergeschoben haben. Die Zeit, endlich das Richtige zu tun, worauf wir ein Leben lang gewartet haben. Die Zeit, die wir mit schönen Dingen und netten Leuten verbringen sollten und doch auf ganz andere Art vergeuden.
In den Romanen von Terry Pratchett (der in diesen Tagen gestorben ist) wird der Tod als klassischer Sensenmann karikiert, allerdings oft genug gebeutelt von fachfremden Emotionen und den Problemen seines sicher stressigen Alltags. Und Schauspieler Leonard Nimoy (der kurz zuvor das Zeitliche segnete) sagte in seiner bekanntesten Rolle gern und häufig: "Lebe lang und in Frieden." Ein wohlmeinender Wunsch, vielleicht gar ein frommer, aber wie die meisten Wünsche dem Mann mit der Kapuze vermutlich nicht einmal ein schiefes Grinsen wert. Denn über die Dauer unseres Daseins entscheidet nur er. Oder (um es endlich mal etwas realistischer auszudrücken): Wir haben kaum Einfluss darauf.
Manchem gelingt es zwar, sein Leben künstlich zu verlängern. Andere entscheiden sich traurigerweise, es zu verkürzen. Aber am Ende bleibt immer ein Abschied, für jene, die zurückbleiben, meist schmerzlicher als für den, der geht.
Wer inzwischen völlig zurecht fragt, was das alles mit Musik zu tun hat, der sei auf ein paar Zeilen zweier Liedtexte aufmerksam gemacht. "No one wins, but somehow they still play", heißt es in "Future Days" von Pearl Jam. "All the missing crooked hearts, they may die, but in us they live on." Deutlich pessimistischer sehen das Fury In The Slaughterhouse: "Today you're their best friend, but believe me tomorrow they don't even know your name." Ganz so ohne sind Todes kleine Brüder nämlich doch nicht.
Wer nun verständlicherweise nicht nur nach dem Zusammenhang zum Thema Musik, sondern gar nach einer Moral fragt, dem sei ins Poesiealbum gekritzelt: Die Zeit läuft - macht was draus. Am besten übrigens wirklich mit schönen Dingen und netten Leuten. Es ist Frühjahr, Freunde. Aber nicht mehr lange.
Donnerstag, 1. Januar 2015
Mein Dogma (III)
"Der Markus sagt immer, was er denkt. Das schätze ich so an ihm." Mit diesen Worten versuchte meine Tante vor ein paar Jahren, einen massiven Eklat während einer Familienfeier zu relativieren. Der erste Satz war die Wahrheit, der zweite nicht.
Tatsächlich bin ich immer ehrlich. Oder um ehrlich zu sein: Ich versuche es, so gut ich kann. Manchmal fragt man mich, weshalb ich das tue. (Ich selbst frage mich das nie, aber dazu kommen wir noch.) Häufig antworte ich dann wahrheitsgemäß, dass ich nicht mal verstehe, weshalb man diese Frage überhaupt stellt. Denn eigentlich sollte Standard sein, was mir zwar nicht einfach erscheint, aber inzwischen selbstverständlich: Unehrlichkeit ist mir seit jeher zuwider, mit Lügen kann ich nicht umgehen. Ob das eine Frage der Erziehung ist (mein Vater war oft ehrlich bis zur Schmerzgrenze - auch dazu kommen wir noch) oder ob das Leben mich geprägt hat, ist gleichgültig. Ich habe Gründe, am liebsten die Wahrheit zu sagen, und es sind gute Gründe.
Worte können noch mehr verletzen als Schläge. Und das ganz besonders, wenn man nicht mit ihnen rechnet. Wenn man glaubt, einen anderen Menschen zu kennen (oder zumindest seine Eigenschaften), er dann aber aus heiterem Himmel eröffnet, nicht ehrlich gewesen zu sein, bricht einem das nicht die Nase, aber ziemlich sicher das, was medizinisch Ungebildete als "Herz" bezeichnen. Das hat niemand verdient. Stattdessen verdient jeder ein Mindestmaß an Respekt, auch in Auseinandersetzungen. Und das bedeutet: Jeder Mensch verdient die Wahrheit.
Auch die Wahrheit kann verdammt schmerzhaft sein, sie kann ebenfalls das "Herz" brechen. Aber nichts ist so unumstößlich wie die Realität. Sie ist ein Hindernis, auf das wir alle früher oder später stoßen. Mit dem wir alle leben müssen. Das ist die eben Wahrheit. Akzeptiert sie und lernt, damit umzugehen. Alles andere wäre verlogen.
Das heißt nicht, dass Hoffnung eine Lüge ist. Die Realität kann sich verändern, sie tut das in jeder Minute unseres Lebens. Aber man kann nur dazu beitragen, wenn man sie kennt. Wenn man die Wahrheit kennt und nicht einer Lüge glaubt.
Auf Lügen zu verzichten und ehrlich zu sein, ist nicht einfach. Tatsächlich ist es sogar verdammt schwer. Ehrlichkeit beginnt bei kleinen, alltäglichen, oft achtlosen Fragen wie etwa: "Na, wie geht's?" Die meisten antworten ebenso achtlos: "Ganz gut." Aber das stimmt nicht immer. Häufig genug geht es ihnen schlecht, manchmal sogar beschissen. Wer mir diese Frage stellt, bekommt in der Regel eine ehrliche Antwort, und die hängt eben von der Tagesform ab. Generell habe ich kein Problem damit, recht klar und deutlich zu sagen, was ich von jemandem oder von einer Sache halte, und das betrifft eben auch mein persönliches Lebensgefühl. Das Ergebnis ist etwas, mit dem ehrliche Menschen leben müssen: Wer nicht einstimmt in den heuchlerischen Chor der Glücklichen gilt früher oder später als latent deprimiert. Das bietet reichlich Gelegenheit für Spott und Kritik aller Art. Ihr wollt nicht lügen? Dann findet euch damit ab, dass das nicht jeder gut findet. Auch das ist die Wahrheit. Und betrifft im Übrigen größere Fragen noch mehr als die beispielhaft geschilderte kleine.
Mein Vater hatte nicht zu Unrecht den Ruf, ein ziemlicher Choleriker zu sein: Wenn ihm etwas nicht gepasst hat, ist er aufgestanden und hat das gesagt, häufig sehr laut. (In jungen Jahren hat er weniger geredet und mehr gehandelt, aber das ist im Fall einer physischen Konfrontation nun wirklich nicht immer die beste Lösung.) Ich habe ganz sicher viele Charaktereigenschaften von ihm geerbt, und Ehrlichkeit gehört - neben einigen weniger positiven - dazu. Das bringt mir den Ruf ein, nicht gerade der geborene Diplomat zu sein. Wer es gut meint, benutzt auch gern mal das Wort "verschroben". Auch damit muss klar kommen, wer sich für den Weg der Wahrheit entscheidet. Menschen werden euch vorwerfen, sie vor den Kopf zu stoßen, obwohl ihr doch genau das vermeiden wollt. Weil sie in unserer Gesellschaft die Wahrheit schon fast nicht mehr gewohnt sind.
Wer ehrlich sein will, sollte das in erster Linie zu sich selbst sein. Das ist der schmerzhafteste Teil dieser Philosophie. Kein Mensch wird euer ganzes Leben bei euch sein - nur ihr selbst. Ihr wart allein, als der Doktor euch auf den Hintern gehauen hat, ihr werdet allein sein, wenn ein anderer Doktor das Beatmungsgerät ausschaltet. Und zwischendurch, wenn ihr durch den Regen lauft, euch das Kissen auf die Ohren drückt oder ihr auf dem Klo sitzt, seid ihr ebenfalls allein. Auch das ist die Realität, auch das ist die Wahrheit. Also fangt besser so früh wie möglich damit an, mit euch klar zu kommen. Seid ehrlich - nicht nur zueinander, sondern vor allem zu euch selbst. Das ist wirklich nicht immer ganz leicht, häufig sogar schwieriger als gegenüber euren Mitmenschen, aber es lohnt sich. Die Wahrheit ist nämlich nicht irgendwo da draußen, sie ist erstmal in uns selbst.
Seit etwas mehr als zwölf Jahren bin ich nicht nur ehrlich, sondern bin das ganz bewusst. In dieser Zeit habe ich Freunde verloren, die offenbar keine waren, habe Streitigkeiten provoziert, die ich hätte vermeiden können, und hatte mehr als einmal ziemlichen Ärger. Aber ich habe auch Freunde behalten, von denen ich weiß, dass sie bleiben werden. Und ich habe gelernt, dem Kerl, den ich morgens im Spiegel sehe, zu vertrauen. Ich bin noch immer kein Riesenfan von ihm, aber er ist eine ehrliche Haut, und das mag ich an ihm wie an anderen Menschen.
Deswegen drücke ich auch ein Auge zu, wenn er mal wieder nicht ganz so ehrlich ist wie geplant. Wenn er eine hundertmal erzählte Geschichte beim 101. Mal ein wenig ausschmückt, um ein paar Lacher zu ernten. Wenn selbst ein Quatschkopf wie er ab und an schweigt, wenn er reden sollte, weil er eben doch manchmal Angst vor der Wahrheit hat. Oder wenn er ein-, vielleicht zweimal im Jahr eine Konfrontation scheut, obwohl er weiß, dass er das später bereuen wird.
Immerhin versucht er wenigstens, die Wahrheit zu sagen und nicht zu lügen. Ganz ehrlich. Und das schätze ich an ihm. Solltet ihr auch mal versuchen.
Immerhin versucht er wenigstens, die Wahrheit zu sagen und nicht zu lügen. Ganz ehrlich. Und das schätze ich an ihm. Solltet ihr auch mal versuchen.
Sonntag, 21. Dezember 2014
Auf den letzten Drücker - schräg unterm Weihnachtsbaum
Langsam wird's Zeit, die letzten Geschenke für die Lieben zu besorgen. Wer schnell bestellt oder sich tapfer durch den Einkaufswahnsinn schlägt, hat noch eine Chance, was zu ergattern. Und wer seinen Beschenkten wirklich etwas Gutes tun will, packt ihnen was zum Gucken unter den Baum. Am besten etwas, das noch nicht jeder gesehen hat und das ein wenig schräg ist. Denn schräg ist gut - der Schlitten vom Weihnachtsmann steigt ja auch nicht gerade in die Lüfte. Hier sind sie also, die 20 schrägsten Film-Geschenktipps (nicht nur zum angeblichen Fest der Liebe):
Blutgletscher (Österreich, 2013): In den Alpen tut sich was - eine Forschergruppe bekommt es mit den monströsen Auswirkungen der Klimakatastrophe zu tun. Erfreulich handgemachter Tier-Horror mit klassischem Verlauf, aber Fabelwesen, die man so noch nicht gesehen hat. In den Bergen hört dich niemand schreien…
Bubba Ho-Tep (USA, 2002): Elvis Presley (Bruce Campbell) ist nicht tot, sondern lebt im Altenheim, wo ihm allerdings niemand glaubt, dass er der King ist. Als sich eine Mumie durch die Gänge metzelt, ist er froh, den angeblichen John F. Kennedy (Ossie Davis) an seiner Seite zu haben. Klingt bizarr? Ist es auch. Und sehr unterhaltsam - wenn man Gruselgeschichten lustig mag.
Coffee And Cigarettes (USA, 2003): Wo Jim Jarmusch draufsteht, ist auch Jim Jarmusch drin. So richtig viel passiert eigentlich nicht in diesem Episodenfilm. Aber die Dialoge sitzen, ebenso die Kamera. Außerdem sind Steve Buscemi, Tom Waits, Iggy Pop und die White Stripes an Bord. Eine eher ruhige Kreuzfahrt für erfahrene Seeleute, mit einer ganz besonderen Atmosphäre.
Das ist das Ende (USA, 2013): Mehr Metaebene geht kaum, wenn sich eine Gruppe Komiker (darunter Seth Rogen, Jonah Hill und James Franco) mit nichts weniger als der Apokalypse konfrontiert sieht. Natürlich spielen die überforderten Dauerkiffer sich selbst, natürlich gibt es ein glückliches Ende. Aber eins, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Und nie wieder sehen wird.
Fraktus (Deutschland, 2012): Wir alle erinnern uns an Fraktus, jene legendäre Band, die in den 80ern Musikgeschichte geschrieben hat. Und falls nicht, könnte das daran liegen, dass es dieses Trio nie gegeben hat. Was schade ist, denn Rocko Schamoni, Heinz Strunk und Jacques Palminger zeigen uns in dieser Fake-Doku, dass wir einiges verpasst haben.
The Host (Südkorea, 2006): Was da aus dem Wasser steigt, ist so hässlich wie hungrig. Und eine überforderte Familie ist dem mutierten Ungetüm als Gegner nicht gerade ebenbürtig. Die Story ist wendungsreich und ungewöhnlich, die Spezialeffekte haben absolutes Hollywood-Niveau. Beides macht diese Mischung aus Mutantenhatz und Komödie sehr sehenswert.
Kick-Ass (USA, 2010): Warum hat sich eigentlich noch niemand wirklich als Superheld versucht? Teenager Dave Lizewski (Aaron Johnson) findet es schnell heraus: Weil es verdammt schmerzhaft ist. Ambitionierte Comicverfilmung, zu gleichen Teilen spannend und brutal wie lustig und dramatisch. Der etwas andere Superhelden-Film tritt tatsächlich in den Hintern.
Kontroll (Ungarn, 2003): In den dunklen Schächten des U-Bahn-Systems entspinnt sich eine surreale Geschichte, in der ein eigenbrötlerischer Kontrolleur, ein Mädchen in einem Bärenkostüm, ein notorischer Schwarzfahrer und ein geheimnisvoller Killer eine Rolle spielen. Inszeniert wurde das moderne Schauermärchen als experimentelles Mosaik mit Liebe zum Detail.
The Last Supper (USA, 1995): Wenn man einer Gruppe Studenten dabei zusieht, wie sie - zunächst eher versehentlich - diverse konservative Hausgäste um die Ecke bringt, sollte man ein Faible für schwarzen Humor haben. Mit Cameron Diaz, Annabeth Gish, Ron Perlman, Bill Paxton und anderen ist diese leckere Farce durchaus prominent besetzt. Auch das waren die 90er.
Living In Oblivion (USA, 1995): Regisseur Nick Reve (Steve Buscemi) will doch nur eins - diesen verdammten Film fertigdrehen. Leider kommen ihm dabei selbstverliebte Schauspieler, eine unfähige Crew, seine verwirrte Mutter und sein eigener Anspruch in die Quere. Ein Film im Film. Das fordert die Hirnzellen, in erster Linie aber die Lachmuskeln. Und ist dabei wunderbar absurd.
Monsters (USA, 2010): Die Liebe in den Zeiten der Alien-Invasion - ein Fotograf soll die Tochter seines Verlegers aus einer abgeriegelten Zone bringen, in der sich fremde Lebensformen eingenistet haben. Wer ein krachiges Spektakel erwartet, liegt komplett daneben. Das ist ein ruhiger Film voller Gefühl und unterschwelliger Spannung. Und mit wenigen Monstern.
My Name Is Bruce (USA, 2007): Bruce Campbell (Bruce Campbell) hat seine besten Tage hinter sich. Und selbst die reichten allenfalls aus, ihn zum Kultstar für cineastische Nerds zu machen. Als er aber tatsächlich gegen einen dämonischen Samurai antreten soll, wächst er über sich hinaus. Oder auch nicht. Launige Horrorkomödie voller popkultureller Anspielungen.
Pakt der Wölfe (Frankreich, 2001): 1767 kommen in der französischen Provinz Gévaudan immer wieder Menschen unter mysteriösen Umständen ums Leben. Forscher Grégoire de Fronsac (Samuel Le Bihan) und Irokese Mani (Marc Dacascos) gehen der Sache nach. Regisseur Christophe Gans wirft Horror, Krimi, Martial Arts und Kostümdrama zusammen - und es passt.
Rare Exports (Finnland, 2010): Wer diesen film gesehen hat, sieht Weihnachten künftig mit anderen Augen. In Lappland werden Waldarbeiter mit dem wahren Weihnachtsmann konfrontiert. Und der hat schlechte Laune. Ob man ihn fangen und verkaufen kann? Die spinnen, die Finnen - die Langfassung des (fast) gleichnamigen Kurzfilms ist atmosphärisch und humorvoll.
Rogue - Im falschen Revier (Australien, 2007): Eine Flussfahrt down under nimmt für eine Touristengruppe eine unangenehme Wendung, als ein riesiges Krokodil etwas gegen seinen Appetit tun möchte. Neben Haien müssen Krokodile seit Jahrzehnten als Antagonisten in billigen Schockern herhalten. Dieser Film jedoch ist anders. Nämlich spannend und verdammt gut gemacht.
Severance (Großbritannien, 2006): Ein Betriebsausflug nimmt einen blutigen Verlauf. Da ist es gut, dass die Bürogemeinschaft ohnehin etwas für ihr Zusammengehörigkeitsgefühl tun wollte. Nur: Ohne Kopf ist das schwierig… Es geht handfest zur Sache in dieser typisch britischen Survival-Story. Und gleichzeitig ist die absurde Situationskomik saulustig. Stromberg für Splatterfans.
Thale (Norwegen, 2012): Als zwei Tatortreiniger (!) in den norwegischen Wäldern eine junge Frau entdecken, die offenbar eine skandinavische Sagengestalt ist, erfahren sie, dass manche Mythen wahr sind. Und als sich das Militär einmischt, lernen die Soldaten, dass Märchenwesen sehr sauer werden können. Knorrig, karg und kühl gefilmte Gruselmär - ideal für die Winterzeit.
Trollhunter (Norwegen, 2010): Es ist ein harter Job, aber einer muss ihn ja machen. Da ist der wortkarge Hans (Otto Jespersen) genau der richtige Mann. Hans beschützt uns vor den Trollen. Die gibt es nämlich wirklich, wie ein junges Kamerateam am eigenen Leib zu spüren bekommt. Souverän produzierter Found Footage-Film mit reichlich Atmosphäre statt Ekelszenen.
Vidocq (Frankreich, 2001): Gérard Depardieu spielt Eugène Francois Vidocq, einen ehemaligen Kriminellen, der als erster Privatdetektiv der Welt gilt. 1830 jagt der französische Sherlock Holmes in dieser fiktiven Geschichte einen geheimnisvollen Mörder, der sich "der Alchemist" nennt. Seine ungewöhnliche Optik hebt diesen Abenteuer-Krimi von der Masse ab.
Wächter der Nacht (Russland, 2004): Seit Urzeiten bekämpfen sich die Mächte des Lichts und der Dunkelheit. Doch wer ist gut, wer böse? Anton (Konstantin Chabenski) weiß es nicht. Er erledigt nur seinen Job, indem er im Moskau der Neuzeit Vampire jagt. Und wie er das tut, kann sich sehen lassen. Die Spezialeffekte sind beeindruckend, die Story voller Bezüge zum Umbruch im Osten.
Blutgletscher (Österreich, 2013): In den Alpen tut sich was - eine Forschergruppe bekommt es mit den monströsen Auswirkungen der Klimakatastrophe zu tun. Erfreulich handgemachter Tier-Horror mit klassischem Verlauf, aber Fabelwesen, die man so noch nicht gesehen hat. In den Bergen hört dich niemand schreien…
Bubba Ho-Tep (USA, 2002): Elvis Presley (Bruce Campbell) ist nicht tot, sondern lebt im Altenheim, wo ihm allerdings niemand glaubt, dass er der King ist. Als sich eine Mumie durch die Gänge metzelt, ist er froh, den angeblichen John F. Kennedy (Ossie Davis) an seiner Seite zu haben. Klingt bizarr? Ist es auch. Und sehr unterhaltsam - wenn man Gruselgeschichten lustig mag.
Coffee And Cigarettes (USA, 2003): Wo Jim Jarmusch draufsteht, ist auch Jim Jarmusch drin. So richtig viel passiert eigentlich nicht in diesem Episodenfilm. Aber die Dialoge sitzen, ebenso die Kamera. Außerdem sind Steve Buscemi, Tom Waits, Iggy Pop und die White Stripes an Bord. Eine eher ruhige Kreuzfahrt für erfahrene Seeleute, mit einer ganz besonderen Atmosphäre.
Das ist das Ende (USA, 2013): Mehr Metaebene geht kaum, wenn sich eine Gruppe Komiker (darunter Seth Rogen, Jonah Hill und James Franco) mit nichts weniger als der Apokalypse konfrontiert sieht. Natürlich spielen die überforderten Dauerkiffer sich selbst, natürlich gibt es ein glückliches Ende. Aber eins, wie es die Welt noch nicht gesehen hat. Und nie wieder sehen wird.
Fraktus (Deutschland, 2012): Wir alle erinnern uns an Fraktus, jene legendäre Band, die in den 80ern Musikgeschichte geschrieben hat. Und falls nicht, könnte das daran liegen, dass es dieses Trio nie gegeben hat. Was schade ist, denn Rocko Schamoni, Heinz Strunk und Jacques Palminger zeigen uns in dieser Fake-Doku, dass wir einiges verpasst haben.
The Host (Südkorea, 2006): Was da aus dem Wasser steigt, ist so hässlich wie hungrig. Und eine überforderte Familie ist dem mutierten Ungetüm als Gegner nicht gerade ebenbürtig. Die Story ist wendungsreich und ungewöhnlich, die Spezialeffekte haben absolutes Hollywood-Niveau. Beides macht diese Mischung aus Mutantenhatz und Komödie sehr sehenswert.
Kick-Ass (USA, 2010): Warum hat sich eigentlich noch niemand wirklich als Superheld versucht? Teenager Dave Lizewski (Aaron Johnson) findet es schnell heraus: Weil es verdammt schmerzhaft ist. Ambitionierte Comicverfilmung, zu gleichen Teilen spannend und brutal wie lustig und dramatisch. Der etwas andere Superhelden-Film tritt tatsächlich in den Hintern.
Kontroll (Ungarn, 2003): In den dunklen Schächten des U-Bahn-Systems entspinnt sich eine surreale Geschichte, in der ein eigenbrötlerischer Kontrolleur, ein Mädchen in einem Bärenkostüm, ein notorischer Schwarzfahrer und ein geheimnisvoller Killer eine Rolle spielen. Inszeniert wurde das moderne Schauermärchen als experimentelles Mosaik mit Liebe zum Detail.
The Last Supper (USA, 1995): Wenn man einer Gruppe Studenten dabei zusieht, wie sie - zunächst eher versehentlich - diverse konservative Hausgäste um die Ecke bringt, sollte man ein Faible für schwarzen Humor haben. Mit Cameron Diaz, Annabeth Gish, Ron Perlman, Bill Paxton und anderen ist diese leckere Farce durchaus prominent besetzt. Auch das waren die 90er.
Living In Oblivion (USA, 1995): Regisseur Nick Reve (Steve Buscemi) will doch nur eins - diesen verdammten Film fertigdrehen. Leider kommen ihm dabei selbstverliebte Schauspieler, eine unfähige Crew, seine verwirrte Mutter und sein eigener Anspruch in die Quere. Ein Film im Film. Das fordert die Hirnzellen, in erster Linie aber die Lachmuskeln. Und ist dabei wunderbar absurd.
Monsters (USA, 2010): Die Liebe in den Zeiten der Alien-Invasion - ein Fotograf soll die Tochter seines Verlegers aus einer abgeriegelten Zone bringen, in der sich fremde Lebensformen eingenistet haben. Wer ein krachiges Spektakel erwartet, liegt komplett daneben. Das ist ein ruhiger Film voller Gefühl und unterschwelliger Spannung. Und mit wenigen Monstern.
My Name Is Bruce (USA, 2007): Bruce Campbell (Bruce Campbell) hat seine besten Tage hinter sich. Und selbst die reichten allenfalls aus, ihn zum Kultstar für cineastische Nerds zu machen. Als er aber tatsächlich gegen einen dämonischen Samurai antreten soll, wächst er über sich hinaus. Oder auch nicht. Launige Horrorkomödie voller popkultureller Anspielungen.
Pakt der Wölfe (Frankreich, 2001): 1767 kommen in der französischen Provinz Gévaudan immer wieder Menschen unter mysteriösen Umständen ums Leben. Forscher Grégoire de Fronsac (Samuel Le Bihan) und Irokese Mani (Marc Dacascos) gehen der Sache nach. Regisseur Christophe Gans wirft Horror, Krimi, Martial Arts und Kostümdrama zusammen - und es passt.
Rare Exports (Finnland, 2010): Wer diesen film gesehen hat, sieht Weihnachten künftig mit anderen Augen. In Lappland werden Waldarbeiter mit dem wahren Weihnachtsmann konfrontiert. Und der hat schlechte Laune. Ob man ihn fangen und verkaufen kann? Die spinnen, die Finnen - die Langfassung des (fast) gleichnamigen Kurzfilms ist atmosphärisch und humorvoll.
Rogue - Im falschen Revier (Australien, 2007): Eine Flussfahrt down under nimmt für eine Touristengruppe eine unangenehme Wendung, als ein riesiges Krokodil etwas gegen seinen Appetit tun möchte. Neben Haien müssen Krokodile seit Jahrzehnten als Antagonisten in billigen Schockern herhalten. Dieser Film jedoch ist anders. Nämlich spannend und verdammt gut gemacht.
Severance (Großbritannien, 2006): Ein Betriebsausflug nimmt einen blutigen Verlauf. Da ist es gut, dass die Bürogemeinschaft ohnehin etwas für ihr Zusammengehörigkeitsgefühl tun wollte. Nur: Ohne Kopf ist das schwierig… Es geht handfest zur Sache in dieser typisch britischen Survival-Story. Und gleichzeitig ist die absurde Situationskomik saulustig. Stromberg für Splatterfans.
Thale (Norwegen, 2012): Als zwei Tatortreiniger (!) in den norwegischen Wäldern eine junge Frau entdecken, die offenbar eine skandinavische Sagengestalt ist, erfahren sie, dass manche Mythen wahr sind. Und als sich das Militär einmischt, lernen die Soldaten, dass Märchenwesen sehr sauer werden können. Knorrig, karg und kühl gefilmte Gruselmär - ideal für die Winterzeit.
Trollhunter (Norwegen, 2010): Es ist ein harter Job, aber einer muss ihn ja machen. Da ist der wortkarge Hans (Otto Jespersen) genau der richtige Mann. Hans beschützt uns vor den Trollen. Die gibt es nämlich wirklich, wie ein junges Kamerateam am eigenen Leib zu spüren bekommt. Souverän produzierter Found Footage-Film mit reichlich Atmosphäre statt Ekelszenen.
Vidocq (Frankreich, 2001): Gérard Depardieu spielt Eugène Francois Vidocq, einen ehemaligen Kriminellen, der als erster Privatdetektiv der Welt gilt. 1830 jagt der französische Sherlock Holmes in dieser fiktiven Geschichte einen geheimnisvollen Mörder, der sich "der Alchemist" nennt. Seine ungewöhnliche Optik hebt diesen Abenteuer-Krimi von der Masse ab.
Wächter der Nacht (Russland, 2004): Seit Urzeiten bekämpfen sich die Mächte des Lichts und der Dunkelheit. Doch wer ist gut, wer böse? Anton (Konstantin Chabenski) weiß es nicht. Er erledigt nur seinen Job, indem er im Moskau der Neuzeit Vampire jagt. Und wie er das tut, kann sich sehen lassen. Die Spezialeffekte sind beeindruckend, die Story voller Bezüge zum Umbruch im Osten.
Mein Kinojahr 2014
Es war ein gutes Jahr für Kinofreunde - darin sind sich Fachleute, Feuilletonisten und Fans ungewohnt einig. Wer nicht auf Autorenfilme steht, sondern noch immer der Traumfabrik huldigt, bekam ordentlich was auf die Augen. Und das - anders als in den vergangenen Jahren - weniger in quantitativer, dafür mehr in qualitativer Hinsicht.
Fünf Filme sind es, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Die es geschafft haben, mich für mindestens zwei Stunden aus der Realität zu ziehen. Denn das ist der Grund, warum ich das Kino liebe.
Man durfte ruhig ein wenig argwöhnisch sein, als bekannt wurde, der beliebteste Bürohengst der Republik solle seinen Schlusspunkt auf der Leinwand setzen. Denn diese ist kein Fernsehschirm, und eine Serie als Kinofilm umzusetzen, ist mehr als einmal in die Hose gegangen. Doch "Stromberg - der Film" macht alles richtig. Er nutzt das andere Medium, ohne die Stimmung zu verändern. Der "Papa" funktioniert auch in groß, zumal ungezählte Anspielungen auf alte Serienfolgen den Abschluss nicht nur zu einer runden Sache machen, sondern schlicht grandios. Weiterer Pluspunkt: Strombergs Finale ist bitterböse Satire. Da bleibt einem auch mal das Lachen im Hals stecken.
Nur manchmal lustig ist "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty". Und das trotz (oder wegen) seines Hauptdarstellers Ben Stiller. Man sollte vielleicht nicht soweit gehen, die Dramödie um einen stillen Verlagsangestellten, der allen Mut zusammen nimmt und die Welt entdeckt, als das "Philadelphia" des "Verrückt nach Mary"-Tollpatschs zu bezeichnen. Aber zumindest ist der Mann diesmal so wenig Ben Stiller wie sonst nur als Gast in "Wetten, dass..?". Allein das und die großartigen Aufnahmen machen den Film sehenswert. Hinzu kommt eine optimistische, Mut machende Stimmung, die noch lange nachhallt.
Eher was für zwischendurch, aber durchaus eine Überraschung war für mich Denzel Washingtons Neuverfilmung von "The Equalizer". Ähnlich wie "Wer ist Hanna?" passt er wohl am besten in die fast leere Schublade mit der Aufschrift "Arthouse-Action". Einerseits gibt es sehr ruhige, fast meditative Szenen, die wunderbar gefilmt sind, andererseits fährt zwischendurch immer wieder brutale Gewalt wie ein Blitz dazwischen. Mehr als einmal ertappt man sich dabei, dass man denkt: "Ouh - muss das sein?" Selbstjustiz-Thriller sind eben nicht jedermanns Sache. Doch letztlich ist es die alte Hollywood-Geschichte vom einsamen Rächer, der allein mit den bösen Buben aufräumt. Diesmal halt mit ungewöhnlichen Kameraperspektiven und guten Darstellern.
Unfassbar, was in Sachen Computeranimation inzwischen möglich ist. Die titelgebenden Primaten in "Planet der Affen: Revolution" sehen tatsächlich noch beeindruckender realistisch aus als im ersten Teil. Glücklicherweise behält die Fortsetzung des Prequels, das ein Reboot ist (!), das Erzähltempo des Vorgängers bei und setzt nicht nur auf Schauwerte. Die Geschichte vom Konflikt zwischen Menschen und Affen, die nach einer verheerenden Katastrophe um die Vorherrschaft auf der Erde kämpfen, ist voller clever eingesetzter Metaphern und packender Szenen - erstaunlicherweise vor allem in den nicht seltenen ruhigen Momenten. Klar: Es kracht bisweilen ordentlich. Aber wir haben hier nicht nur einen guten Science-Fiction-/Actionfilm, sondern einfach einen guten Film.
Ich hatte es gehofft und wurde nicht enttäuscht: "Guardians Of The Galaxy" ist verdammt gute Unterhaltung, selten mehr und niemals weniger. Kein Film hat es in diesem Jahr geschafft, mich so in seinen Bann zu ziehen, wie das durchaus gewagte Weltraum-Abenteuer aus dem Hause Marvel. Gewagt, weil nicht zwingend damit zu rechnen war, dass mittlerweile auch die Comic-Helden aus der dritten Reihe beachtlichen Erfolg auf der Leinwand haben. Haben sie aber. Und man schließt sie sofort ins Herz, diese schrägen, vom Leben gezeichneten Außenseiter, die eher auf Umwegen das Universum retten. Wäre ich 30 Jahre jünger, wäre das mein "Star Wars" - trotz eines Plus an augenzwinkernden Humors, den George Lucas ja nie konnte. Und der Soundtrack - eine krude Sammlung meist furchtbarer 70er- und 80er-Jahre-Pop-Nummern - ist derart grandios, dass er in jeden guten Haushalt gehört!
Fünf Filme sind es, die mir besonders in Erinnerung geblieben sind. Die es geschafft haben, mich für mindestens zwei Stunden aus der Realität zu ziehen. Denn das ist der Grund, warum ich das Kino liebe.
Man durfte ruhig ein wenig argwöhnisch sein, als bekannt wurde, der beliebteste Bürohengst der Republik solle seinen Schlusspunkt auf der Leinwand setzen. Denn diese ist kein Fernsehschirm, und eine Serie als Kinofilm umzusetzen, ist mehr als einmal in die Hose gegangen. Doch "Stromberg - der Film" macht alles richtig. Er nutzt das andere Medium, ohne die Stimmung zu verändern. Der "Papa" funktioniert auch in groß, zumal ungezählte Anspielungen auf alte Serienfolgen den Abschluss nicht nur zu einer runden Sache machen, sondern schlicht grandios. Weiterer Pluspunkt: Strombergs Finale ist bitterböse Satire. Da bleibt einem auch mal das Lachen im Hals stecken.
Nur manchmal lustig ist "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty". Und das trotz (oder wegen) seines Hauptdarstellers Ben Stiller. Man sollte vielleicht nicht soweit gehen, die Dramödie um einen stillen Verlagsangestellten, der allen Mut zusammen nimmt und die Welt entdeckt, als das "Philadelphia" des "Verrückt nach Mary"-Tollpatschs zu bezeichnen. Aber zumindest ist der Mann diesmal so wenig Ben Stiller wie sonst nur als Gast in "Wetten, dass..?". Allein das und die großartigen Aufnahmen machen den Film sehenswert. Hinzu kommt eine optimistische, Mut machende Stimmung, die noch lange nachhallt.
Eher was für zwischendurch, aber durchaus eine Überraschung war für mich Denzel Washingtons Neuverfilmung von "The Equalizer". Ähnlich wie "Wer ist Hanna?" passt er wohl am besten in die fast leere Schublade mit der Aufschrift "Arthouse-Action". Einerseits gibt es sehr ruhige, fast meditative Szenen, die wunderbar gefilmt sind, andererseits fährt zwischendurch immer wieder brutale Gewalt wie ein Blitz dazwischen. Mehr als einmal ertappt man sich dabei, dass man denkt: "Ouh - muss das sein?" Selbstjustiz-Thriller sind eben nicht jedermanns Sache. Doch letztlich ist es die alte Hollywood-Geschichte vom einsamen Rächer, der allein mit den bösen Buben aufräumt. Diesmal halt mit ungewöhnlichen Kameraperspektiven und guten Darstellern.
Unfassbar, was in Sachen Computeranimation inzwischen möglich ist. Die titelgebenden Primaten in "Planet der Affen: Revolution" sehen tatsächlich noch beeindruckender realistisch aus als im ersten Teil. Glücklicherweise behält die Fortsetzung des Prequels, das ein Reboot ist (!), das Erzähltempo des Vorgängers bei und setzt nicht nur auf Schauwerte. Die Geschichte vom Konflikt zwischen Menschen und Affen, die nach einer verheerenden Katastrophe um die Vorherrschaft auf der Erde kämpfen, ist voller clever eingesetzter Metaphern und packender Szenen - erstaunlicherweise vor allem in den nicht seltenen ruhigen Momenten. Klar: Es kracht bisweilen ordentlich. Aber wir haben hier nicht nur einen guten Science-Fiction-/Actionfilm, sondern einfach einen guten Film.
Ich hatte es gehofft und wurde nicht enttäuscht: "Guardians Of The Galaxy" ist verdammt gute Unterhaltung, selten mehr und niemals weniger. Kein Film hat es in diesem Jahr geschafft, mich so in seinen Bann zu ziehen, wie das durchaus gewagte Weltraum-Abenteuer aus dem Hause Marvel. Gewagt, weil nicht zwingend damit zu rechnen war, dass mittlerweile auch die Comic-Helden aus der dritten Reihe beachtlichen Erfolg auf der Leinwand haben. Haben sie aber. Und man schließt sie sofort ins Herz, diese schrägen, vom Leben gezeichneten Außenseiter, die eher auf Umwegen das Universum retten. Wäre ich 30 Jahre jünger, wäre das mein "Star Wars" - trotz eines Plus an augenzwinkernden Humors, den George Lucas ja nie konnte. Und der Soundtrack - eine krude Sammlung meist furchtbarer 70er- und 80er-Jahre-Pop-Nummern - ist derart grandios, dass er in jeden guten Haushalt gehört!
Sonntag, 14. Dezember 2014
Lieber ein Ende mit Schrecken…
Das war's dann. Das Ende der angeblich letzten großen Samstagabendshow. In den folgenden Tagen werden sich die Feuilletonisten schwitzend die Hirnwindungen trocken drücken, um auch wirklich ganz sicher sämtliche Wortspiele mit "Lanz", "Wetten" oder "Flieger" ins Netz und aufs Papier zu kriegen. Allein: Der Grund dafür ist die Mühe nicht wert.
Furchtbar war sie, die letzte "Wetten, dass..?"-Sendung - nicht vor der Sommerpause oder den Malle-Außendrehs, sondern glücklicherweise für immer. Und zwar im Wortsinn, denn voller Furcht wartete man darauf, dass sich Markus Lanz mit Wonne ins nächste Fettnäpfchen warf. Auch Fremdscham ist nämlich nur in kleinen Dosen zu ertragen. "Lanz" ist jedoch längst die Maßeinheit, in der eine Überdosis gemessen wird. Andererseits macht es natürlich Spaß, auf ein leichtes Ziel zu ballern. Haben wir auch getan, auf Twitter, wo Hashtags wie #lanzchristmas die Runde machten. Und zwar nicht wegen der "verdammten Klickzahlen" (Markus Lanz über das Internet), sondern weil dieser Mist eben nicht "sehr, sehr vielen Menschen Freude macht" (Markus Lanz über die Show, die er an die Wand gefahren hat). Der Mann hat es verdient, öffentlich angegriffen zu werden, voller Bosheit und Zynismus, weil er es wagt, seine Arroganz in eben diese Öffentlichkeit zu tragen.
Wie war er denn nun, der Abgesang auf eine angebliche Ära? Es folgt keine detaillierte Analyse, kein hämisches Sezieren all der schlimmen Dinge, mit denen diese letzte Sendung nicht eben geizte. Es sei vielmehr auf drei Punkte hingewiesen, an denen sich das Grauen, mit dem das Zweite uns fortan zu verschonen gedenkt, festmachen lässt:
1. Ben Stiller. Der Gute ist Komiker und hat das Pech, ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit den dritten Teil seiner familientauglichen Schenkelklopfer-Reihe "Nachts im Museum" ins Kino zu bringen. Gut für den Geldbeutel, schlecht für die Abendgestaltung. Denn um einen neuen Film zu bewerben, muss man in der alten Welt durchs Fegefeuer, und das befindet sich ziemlich exakt auf jener Couch, auf der in den vergangenen drei Jahrzehnten schon so mancher Hollywoodstar vor sich hin dämmerte. Man kann Stiller indes nicht vorwerfen, gute Miene zum bösen Spiel gemacht zu haben. Ob Tom Hanks oder Will Arnett ihn nun gewarnt haben oder nicht - seine Art, mit der irritierend gackernden Gruppe euphorisierter Unbekannter umzugehen, in deren Mitte er ausharren musste, bis das eingangs erwähnte Sicherheitswort "Flieger" fiel, war folgende: Er tat einfach nichts. Mit versteinertem Gesichtsausdruck und ohne den Versuch, das klassische amerikanisch-oberflächliche Grinsen zu imitieren, ließ er die Sendung an sich vorbeiziehen. Nur einmal lachte er, es wirkte sogar ehrlich und von Herzen. Das war, als er fliehen durfte. Es ist davon auszugehen, dass er zur Garderobe gerannt ist, ohne sich umzudrehen.
2. Die Musik. Die Fantastischen Vier haben immer gute Laune (zumindest drei Viertel von ihnen), und man nimmt es ihnen sogar ab. Es war ihnen ganz offensichtlich wurscht, dass sie gerade der allerletzten "Wetten, dass..?"-Ausgabe beiwohnten. Das macht sie noch sympathischer. Deswegen soll es an dieser Stelle auch um zwei andere musikalische Gäste gehen. Um noch einmal zu verdeutlichen, wie wenig ihnen das einstige Flaggschiff auf den letzten Metern noch am Herzen liegt, hatten die Verantwortlichen nämlich das Langweiligste und Konformste eingeladen, was aufzutreiben war: Engelchen und Teufelchen. Die Bundes-Helene hauchte irgendwas Festliches, das klang wie "Atemlos" nach einer großen Packung Valium, also noch grauenhafter. Und der Graf (c) gab ganz zum Schluss den Rauswerfer, mit der gewohnten Gothic/Schlager-Grütze, die sich natürlich anhörte wie sein Hit, sich aber irgendwie um Abschied drehte. Er hört nämlich ebenfalls auf. Halleluja.
3. Samuel Koch. Es fällt schwer, in Worte zu fassen, was in einem wühlte, als Lanz den querschnittsgelähmten Schauspieler... nein, eben nicht interviewte. Er führte ihn vor. Man war wirklich froh, dass er ihn nicht bat, doch mal rasch zu demonstrieren, was er noch alles kann, weil doch bald Weihnachten ist und das sehr, sehr vielen Menschen Freude machen würde und so. Oder um zu zeigen, dass es halb so wild ist, wenn man nach einer misslungenen Wette im Rollstuhl sitzt. Ist doch alles nur Spaß. Koch reagierte souverän, verwies darauf, dass Lanz sich zweimal nach seinem Gesundheitszustand erkundigt habe, und fragte zurück: "Und selbst?" Kurz: Wenn Til Schweiger neben einem sympathisch wirkt, macht man als Moderator etwas falsch und nicht sehr, sehr vielen Menschen Freude. Es fragt sich, weshalb die Produzenten einen Trampel wie Markus Lanz Slalom laufen lassen. Absicht? Bösartigkeit? Hat gar jemand hinter den Kulissen abgeklatscht, als er dem sehbehinderten Wettkandidaten eine Sichtschutzbrille aufdrängte? Da hatte Koch ja fast Glück. Dafür, dass er genau das ausstrahlt, hat er übrigens den stehenden Applaus durchaus verdient.
Nach einer zähen letzten Wette und dem so verzweifelten wie vergeblichen Bemühen, etwas pathetische Abschiedsstimmung aufkommen zu lassen, erwähnte Lanz vor dem Unheilig-Auftritt noch einmal jene "Ära", die nun Ende sei. Als ob so etwas immer ein Grund zur Trauer wäre. Der Eiszeit oder dem finsteren Mittelalter hat bestimmt auch niemand nachgeweint.
Furchtbar war sie, die letzte "Wetten, dass..?"-Sendung - nicht vor der Sommerpause oder den Malle-Außendrehs, sondern glücklicherweise für immer. Und zwar im Wortsinn, denn voller Furcht wartete man darauf, dass sich Markus Lanz mit Wonne ins nächste Fettnäpfchen warf. Auch Fremdscham ist nämlich nur in kleinen Dosen zu ertragen. "Lanz" ist jedoch längst die Maßeinheit, in der eine Überdosis gemessen wird. Andererseits macht es natürlich Spaß, auf ein leichtes Ziel zu ballern. Haben wir auch getan, auf Twitter, wo Hashtags wie #lanzchristmas die Runde machten. Und zwar nicht wegen der "verdammten Klickzahlen" (Markus Lanz über das Internet), sondern weil dieser Mist eben nicht "sehr, sehr vielen Menschen Freude macht" (Markus Lanz über die Show, die er an die Wand gefahren hat). Der Mann hat es verdient, öffentlich angegriffen zu werden, voller Bosheit und Zynismus, weil er es wagt, seine Arroganz in eben diese Öffentlichkeit zu tragen.
Wie war er denn nun, der Abgesang auf eine angebliche Ära? Es folgt keine detaillierte Analyse, kein hämisches Sezieren all der schlimmen Dinge, mit denen diese letzte Sendung nicht eben geizte. Es sei vielmehr auf drei Punkte hingewiesen, an denen sich das Grauen, mit dem das Zweite uns fortan zu verschonen gedenkt, festmachen lässt:
1. Ben Stiller. Der Gute ist Komiker und hat das Pech, ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit den dritten Teil seiner familientauglichen Schenkelklopfer-Reihe "Nachts im Museum" ins Kino zu bringen. Gut für den Geldbeutel, schlecht für die Abendgestaltung. Denn um einen neuen Film zu bewerben, muss man in der alten Welt durchs Fegefeuer, und das befindet sich ziemlich exakt auf jener Couch, auf der in den vergangenen drei Jahrzehnten schon so mancher Hollywoodstar vor sich hin dämmerte. Man kann Stiller indes nicht vorwerfen, gute Miene zum bösen Spiel gemacht zu haben. Ob Tom Hanks oder Will Arnett ihn nun gewarnt haben oder nicht - seine Art, mit der irritierend gackernden Gruppe euphorisierter Unbekannter umzugehen, in deren Mitte er ausharren musste, bis das eingangs erwähnte Sicherheitswort "Flieger" fiel, war folgende: Er tat einfach nichts. Mit versteinertem Gesichtsausdruck und ohne den Versuch, das klassische amerikanisch-oberflächliche Grinsen zu imitieren, ließ er die Sendung an sich vorbeiziehen. Nur einmal lachte er, es wirkte sogar ehrlich und von Herzen. Das war, als er fliehen durfte. Es ist davon auszugehen, dass er zur Garderobe gerannt ist, ohne sich umzudrehen.
2. Die Musik. Die Fantastischen Vier haben immer gute Laune (zumindest drei Viertel von ihnen), und man nimmt es ihnen sogar ab. Es war ihnen ganz offensichtlich wurscht, dass sie gerade der allerletzten "Wetten, dass..?"-Ausgabe beiwohnten. Das macht sie noch sympathischer. Deswegen soll es an dieser Stelle auch um zwei andere musikalische Gäste gehen. Um noch einmal zu verdeutlichen, wie wenig ihnen das einstige Flaggschiff auf den letzten Metern noch am Herzen liegt, hatten die Verantwortlichen nämlich das Langweiligste und Konformste eingeladen, was aufzutreiben war: Engelchen und Teufelchen. Die Bundes-Helene hauchte irgendwas Festliches, das klang wie "Atemlos" nach einer großen Packung Valium, also noch grauenhafter. Und der Graf (c) gab ganz zum Schluss den Rauswerfer, mit der gewohnten Gothic/Schlager-Grütze, die sich natürlich anhörte wie sein Hit, sich aber irgendwie um Abschied drehte. Er hört nämlich ebenfalls auf. Halleluja.
3. Samuel Koch. Es fällt schwer, in Worte zu fassen, was in einem wühlte, als Lanz den querschnittsgelähmten Schauspieler... nein, eben nicht interviewte. Er führte ihn vor. Man war wirklich froh, dass er ihn nicht bat, doch mal rasch zu demonstrieren, was er noch alles kann, weil doch bald Weihnachten ist und das sehr, sehr vielen Menschen Freude machen würde und so. Oder um zu zeigen, dass es halb so wild ist, wenn man nach einer misslungenen Wette im Rollstuhl sitzt. Ist doch alles nur Spaß. Koch reagierte souverän, verwies darauf, dass Lanz sich zweimal nach seinem Gesundheitszustand erkundigt habe, und fragte zurück: "Und selbst?" Kurz: Wenn Til Schweiger neben einem sympathisch wirkt, macht man als Moderator etwas falsch und nicht sehr, sehr vielen Menschen Freude. Es fragt sich, weshalb die Produzenten einen Trampel wie Markus Lanz Slalom laufen lassen. Absicht? Bösartigkeit? Hat gar jemand hinter den Kulissen abgeklatscht, als er dem sehbehinderten Wettkandidaten eine Sichtschutzbrille aufdrängte? Da hatte Koch ja fast Glück. Dafür, dass er genau das ausstrahlt, hat er übrigens den stehenden Applaus durchaus verdient.
Nach einer zähen letzten Wette und dem so verzweifelten wie vergeblichen Bemühen, etwas pathetische Abschiedsstimmung aufkommen zu lassen, erwähnte Lanz vor dem Unheilig-Auftritt noch einmal jene "Ära", die nun Ende sei. Als ob so etwas immer ein Grund zur Trauer wäre. Der Eiszeit oder dem finsteren Mittelalter hat bestimmt auch niemand nachgeweint.
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